Die Deutschen sind schuld
Die Studentenproteste spalten das Land. Viele sind – mit Blick auf die berechtigten Forderungen – solidarisch und wünschen sich, dass die Studenten durchhalten und die Regierung in die Knie zwingen. Viele andere lehnen die Bewegung ab – mit Blick auf die Chaoten im verwüsteten Audimax – und hoffen auf einen baldigen Polizeieinsatz in den besetzen Hörsälen. Eine differenzierte Diskussion über die Finanzierung unserer Universitäten haben die Proteste bisher noch nicht herbeigeführt, denn man bewegt sich auf beiden Seiten nur in Schlagworten.
Auf der einen Seite steht ein scheidender Wissenschaftsminister als Dialogverweigerer, der generös die Reserven seines Budgets etwas früher als geplant verteilt und glaubt, damit die Sache ausgesessen zu haben. Ein Blick auf jene, die ihn öffentlich unterstützen, macht klar: Hier geht es nicht um Bildung, sondern um Wirtschaft. Auf der anderen Seite steht ein Rest von Dauerprotestierern, subventioniert mit Geld der Hochschülerschaft und gefüttert mit Care-Paketen von deutschen Universitäten. Wer an ihrer Basisdemokratie teilnehmen will, muss erst die Gesetze übertreten und sich an der illegalen Besetzung beteiligen. Auch hier geht es nicht um Bildung, sondern um Anarchie.
Und schuld sind wie immer die Deutschen: Ihrem Massenansturm ist es zu verdanken, dass das System Universität völlig aus den Fugen geraten ist. In diesem Punkt herrscht noch einigermaßen Einigkeit. Da ringt sich sogar die in der Debatte völlig kopflose SPÖ zu einem klaren Statement durch: „Es kann aber nicht sein, dass alle Deutschen bei uns freien Uni-Zugang haben, während Österreicher in Deutschland zahlen müssen“ – Chauvinismus der Marke Laura Rudas. Dabei folgt der Anstieg der deutschen Studenten nur einem internationalen Trend größerer Mobilität in der Ausbildung. Genauso wie heute mehr Bundesdeutsche in Österreich studieren als vor zehn Jahren, ist es auch umgekehrt. Nur dass noch kein Land einen Beitrag Österreichs dafür verlangt hat. Das wäre auch widersinnig, lassen ausländische Studenten doch genug Geld in ihren Gastgeberländern. Alleine die Umsatzsteuer, die die deutschen Studenten hier im Laufe eines Jahres bezahlen dürfte kaum weniger sein als die 34 Millionen, mit denen Minister Hahn jetzt die Universitäten zu retten glaubt.
Blendet man diese sinnlose Debatte aus, bleibt ein chronisch unterfinanzierter Uni-Betrieb mit vielen Rektoren, die sich ihrer Verantwortung im Rahmen der Hochschul-Autonomie nicht im Geringsten bewusst sind. Der Leiter der Universität Wien etwa schert sich keinen Deut darum, dass sein bester Hörsaal zur Ruine verkommt, mietet aber für 16.000 Euro am Tag Ersatzräume – und wird noch als nächster Wissenschaftsminister vorgeschlagen. Ein würdiger Nachfolger Hahns wäre er allemal.


