Europarat als Vorreiter des Absurden
Ich gebe es zu: Ich bin auch Mitglied des Europarats, jenes Straßburger Debattierclubs, dem Abgeordnete aus 47 mehr oder weniger europäischen Ländern angehören und der ohne Bindungswirkung tonnenweise Positionspapiere zu sämtlichen Problemen der Welt produziert.
Neuerdings muss man sich immer öfter dafür genieren, diesem Gremium anzugehören. Im besten Fall ist es peinlich, was dort verzapft wird – etwa unlängst, als eine sozialistische Abgeordnete den Männern die Finanzkrise in die Schuhe schieben wollte und als Beleg angab, dass es ja die Lehman Brothers und nicht die Lehman Sisters waren, die uns das ganze Schlamassel eingebrockt haben.
Nach humoristischer Einlage klingt auch der neueste Vorstoß aus der Straßburger Ideenwerkstatt: Die Wörter Vater und – vor allem – Mutter sollen endlich aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Diese Gender-Ungerechtigkeiten haben ausgedient, künftig soll nur noch von Elternteilen die Rede sein. Eifrige Sprachschöpfer haben passend zur Beschlussvorlage des Europarates den Begriff „Das Elter“ eingeführt. Die Stadtverwaltung der Schweizer Hauptstadt Bern hat dieses Un-Wort gleich vorbildlich in den neuen Leitfaden für amtlich verbindliche Sprache aufgenommen. Die Redakteure der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ lachen offenbar Tränen über das „Berner Neusprech“ und mit ihnen der überwiegende Teil der Leser. Mehr als 96 Prozent erkennen nichts Sexistisches in der Verwendung der Wörter Mutter und Vater. Ganz im Gegensatz dazu die Schweizer Politikerin und Hardcore-Feministin Doris Stump. Sie hat die Vorlage beim Europarat eingebracht und erklärt: „Frauen sind in den Medien entweder unterrepräsentiert oder nicht wahrnehmbar, oder sie werden häufig in Rollen dargestellt, welche ihnen die Gesellschaft traditionellerweise zuschreibt, als passive und minderwertige Wesen, Mütter oder Sexualobjekte“
Dieser Satz sagt wohl über das Gedankengut der Schreiberin mehr aus als über die von ihr angegriffene Mediengesellschaft, die ohnehin längst jede traditionelle Auffassung von Frauen und Familie über Bord geworfen hat. Dennoch ist das Treiben im Europarat gefährlich: In einem Gremium, wo meist nicht mehr als 10 Prozent des stimmberechtigten Abgeordneten im Sitzungssaal sind, verwirklichen linke Politiker ihr absurdes Gesellschaftsbild. In ihren Heimatländern unbekannt und unterbeschäftigt, gießen sie dort ihre schrägen Gedanken in Beschlüsse, ungehindert und still toleriert von den konservativen Abgeordneten. Der Erfolg gibt den Linken recht. Als im Europarat erstmals verlangt wurde, dass Homosexuelle heiraten und Kinder adoptieren dürfen, wurde darüber wohl ähnlich herzhaft gelacht wie heute über die Abschaffung von Müttern und Vätern.





